Folge 07 – ACD: Ein Spukhaus und ein seltsames Tal

„Das ist ja wunderbar!“, rief ich aus. „Die Öffentlichkeit sollte Ihre Verdienste zur Kenntnis nehmen. Sie sollten eine Schilderung des Falles veröffentlichen.“ [STUD]

 

In dieser ersten echten Literaturfolge widmen wir uns ganz dem frühen Schriftsteller Arthur Conan Doyle. Während seiner ersten Assistenzzeit in Birmingham lässt er sich dazu motivieren, seinen kreativen Drang zu nutzen und schreibt mindestens eine Geschichte nieder. Dabei hat er von Anfang an den Erfolg bei damals populären Zeitschriften im Blick. Aber vor seiner ersten Veröffentlichung schrieb er noch eine weitere Story, deren Verbleib bis heute relativ im Dunkeln liegt.

Folgt uns einmal mehr ins Jahr 1879, wo wir uns auf die Spuren einer lang verschollenen Geistergeschichte begeben und den Einflüssen dieser Genre-Literatur nachspüren. Danach reisen wir ins koloniale Südafrika, wo sich alles um ein geheimnisumwobenes Tal im Hinterland dreht. Hier stoßen wir auch auf politische Problematiken, denen es nachzugehen gilt.

Das Titelbild ist bewusst gewählt im Kontext Arthur Conan Doyles erster verkaufter Kurzgeschichte.

Wir freuen uns, euch am Ende der Folge eine Verlosung präsentieren zu dürfen. Die Teilnahmebedingungen hört ihr nach dem eigentlichen Folgeninhalt bzw. lest sie in schriftlicher Form weiter unten in den Shownotes nach.

 

Download: Dr. Doyle & Mr. Holmes – Folge 07 – ACD: Ein Spukhaus und ein seltsames Tal

Genutzte Quellen, Bemerkungen, Hinweise

Allgemein

Arthur Conan Doyle – Memories and Adventures

Brian W. Pugh – A Chronology of the Life of Sir Arthur Conan Doyle (erweiterte Ausgabe)

Jon Lellenberg, Daniel Stashower, Charles Foley – Arthur Conan Doyle: A Life in Letters

Daniel Stashower – Sir Arthur Conan Doyle: Das Leben des Vaters von Sherlock Holmes

Andrew Lycett – Conan Doyle: The Man who created Sherlock Holmes

The Arthur Conan Doyle Encyclopedia

Wikipedia

The Haunted Grange of Goresthorpe

Die Story und ihre Publikationsgeschichte

Auf Deutsch enthalten im Supplement-Band Das Spukhaus(Verlag 28 Eichen, 2008)

Englische Ausgaben:

  • Erstmals als eigenständiger Band durch die Arthur Conan Doyle Society in der Calabash Press / Ash-Tree Press im Jahr 2000 herausgegeben. Mit einer Grußnote von Michael Foley, einem Vorwort Ian D. McGowan und einem Nachwort von Christopher Roden
  • Enthalten auch in The Captain of the Pole-Star, 2004, Ash-Tree Press. Mit einer Einleitung von Christopher und Barbara Roden sowie einem Vorwort von Michael Dirda

Conan Doyle sandte die Geschichte ans Blackwood’s Magazine

Owen Dudley Edwards zur Story:

Ein Artikel namens Holmes and Watson in Embryo befasst sich offenbar mit dem Aspekt des potentiell prototypischen Gespanns Jack & Tom als Vorläufer für Sherlock Holmes und Dr. Watson. Erschienen ist der Artikel 1979 im Blackwood’s Magazine (gefunden in Lancelyn Green / Gibson: A Bibliography of Arthur Conan Doyle. Revised Edition, 2000, New York), leider ist der Text selbst im Netz nicht verfügbar

Weiteres zur Publikations- und Rezeptionsgeschichte

  • Die Geschichte – zu ACDs Lebzeiten nie publiziert – lagert bis heute in den Archiven des Blackwood’s, die seit 1942 wiederum im Besitz der National Library of Scotland sind.
  • Die erste Nennung der Geschichte nach ACDs Tod findet sich in der Biographie John Dickson Carrs von 1949 (geschrieben mit Zugang zum Familienarchiv im Auftrag Adrian Conan Doyles)
  • Vorherige Arbeiten von John Lamond und Hesketh Pearson erwähnen die Geschichte nicht, auch spätere Biographen wie Julian Symons und Ronald Pearsall lassen sie aus
  • Auch wenn ACD die Geschichte nie wieder irgendwo erwähnt, so hatte er sie offenbar nicht vergessen, wie mehrere in der Folge zitierte Briefstellen ausweisen. Dazu kommt die Kurzgeschichte Selecting a Ghost von 1883, die in London Society mit dem Untertitel  „The Ghosts of Goresthorpe Grange“ gebracht wurde und später gar ausschließlich als „The Secret of Goresthorpe Grange“ wiederveröffentlicht

Zur Phantastik, der Schauerliteratur / Romantik und der Geistergeschichte

Occult Detective Fiction

Während unser Hörer Bernd sich vorrangig an Edgar Allan Poe erinnert fühlte, weckte die Geschichte bei Andreas Assoziationen zu Ambrose Bierce. Oder las ACD, der ja ein wenig Deutsch in Feldkirch gelernt hatte, gar einige Schauergrotesken Hoffmanns? Ein Einfluss durch Conan Doyles Spiritismus steht im Raum, ist aber (noch) nicht allzu wahrscheinlich aus zeitlichen Gründen.

The Mystery of Sasassa Valley

Die Geschichte

Deutsche Ausgaben:

Erschienen ist die Geschichte zuerst 1879 im Chambers’s Journal, allerdings ohne Autorennennung. Das in Edinburgh gegründete Periodikum erschien zu Zeiten Conan Doyles bereits in der englischen Hauptstadt London

Herleitung vermutlich durch frühe Abenteuerlektüren Conan Doyles:

Als wichtiger Einfluss kann Edgar Allan Poes Geschichte The Gold-Bug gelten

In einem Geleitwort zur Geschichte im Band Das Vermächtnis des Sherlock Holmes (Xenos, 1989, Zitat aus der Übersetzung von Jörn Ingwersen) sieht Peter Haining in der Geschichte einen Vorläufer von Der Hund der Baskervilles, was aber etwas sehr konstruiert wirkt und wahrscheinlich nicht zutrifft

Rassismus, Kolonialismus, Imperialismus

  • Die klar rassistischen Wörter „Neger“ und „Kaffer“ werden verwendet
  • Die Geschichte spielt im Südafrika des frühen bis mittleren 19. Jahrhunderts, was ein koloniales Setting vorgibt. Schon der Anfang zeigt dies klar auf, als Tom und Jack sich auf den Weg aus England machen, um „ihr Glück“ in der Fremde zu suchen
  • Die Kolonialisierung durch die Niederländer begann tatsächlich bereits im 17. Jahrhundert
  • Das Königreich Großbritannien begann 1797 Ansprüche anzumelden
  • Die europäischstämmigen Einwohner Südafrikas heißen Buren
  • Die angesprochenen „De Beers“ sind bis heute Diamantenhändler mit Ursprung im südafrikanischen Kimberley
  • Später wird es Kriege zwischen den Briten und den Buren geben
  • Für die Schilderungen zu Imperialismus und Rasse bzw. Rassismus und unterschiedlichen Spielarten des Chauvinismus in viktorianisch-gesellschaftlichen Kontexten vgl. Prof. Richard Evans: The Victorians. Empire and Race

Hinsichtlich Arthur Conan Doyles eigener Positionierung bleiben wir noch zurückhaltend, da er später nie eine offen rassistische, aber in gewissem Sinne doch ambivalent kolonialistische Haltung zeigen wird. In Bezug auf die vorliegende Geschichte gehen wir aufgrund des starken Poe-Einflusses von einer schlichten Übernahme narrativer Elemente zu Jugendzeiten aus. Das migantisch-koloniale Motiv hat Conan Doyle allerdings nie ganz losgelassen, wie wir bspw. bei den ersten Holmes-Romanen sehen werden.

Letztlich kommen wir mit Hörer Bernd zu dem Schluss, hier eine passable Abenteuergeschichte vorliegen zu haben, die nicht langweilt, allerdings insgesamt wohl eher eine Bedeutung in Bezug auf Conan Doyles Lebenslauf als Schriftsteller hat.

Shownotes

Neuigkeiten & Hinweise

Dexter Fletcher über Sherlock Holmes 3

The Irregulars

Die BSI, die UCLA und andere Akteure suchen nach verschollenen Sherlock-Holmes-Filmen

Neuheiten auf dem Buch- und Magazinmarkt

Neuheiten auf dem Hörspielmarkt

Nachbericht zum am 07.09.2019 besuchten Live-Hörspiel Sherlock, John & Mycroft des Theaters Ex Libris in den Räumlichkeiten des Chance e. V. Münster

Verlosung

Dr. Olaf Spittel vom Verlag 28 Eichen hat uns freundlicherweise 4 Bücher zur Verlosung bereit gestellt. Wir verlosen je 2x die Bände:

Teilnahmebedingungen:

Schreibt uns an kommentar@sherlockholmespodcast.de , welchen Autor Conan Doyle im Abschlusszitat der Folge anpreist (entnommen aus ACDs Essay Through the Magic Door). Tipp: Den gesuchten Autor haben wir in der Folge bei beiden Geschichten recht eindeutig angesprochen.

Schreibt uns neben der korrekten Lösung eure Adresse dazu und schreibt auch, welchen der Bände ihr gewinnen wollt. Pro teilnehmender Person ist nur je ein Buchgewinn zulässig. Wenn ihr im Falle eines Gewinns von uns in der nächsten Folge nicht genannt werden wollt, dann schreibt auch das bitte dazu, ansonsten gebt ihr euer Einverständnis, als Gewinnerin oder Gewinner bekanntgegeben zu werden.

Das Gewinnspiel läuft bis Freitag, 25.10.2019, 23:59 Uhr. Alle danach eintreffenden Mails können nicht mehr berücksichtigt werden. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Als Veranstalter und somit direkter Ansprechpartner für dieses Gewinnspiel fungieren wir (Dr. Doyle und Mr. Holmes – Der deutsche Sherlock-Holmes-Podcast), bitte beachtet aber, dass der Versand der Gewinne direkt über den Verlag 28 Eichen erfolgt. Wir leiten also eure Adresse dorthin weiter. Die Daten werden von uns ausschließlich für diesen Zweck genutzt und nicht gespeichert. Unsere kompletten Datenschutzbestimmungen könnt ihr nachschlagen. Für den Versand der Gewinne gelten die Datenschutzbestimmungen des Verlags 28 Eichen.

 

Diverse Erwähnungen

The American’s Tale

  • Kurzgeschichte von Arthur Conan Doyle, erschienen im Dezember 1880 im Magazin London Society
  • ACD datiert die Veröffentlichung in seiner Autobiographie fälschlich auf das Jahr 1879
  • Auf Deutsch erhältlich als Die Erzählung des Amerikaners im Sammelband Mein Freund der Mörder

Erwähnte Orte:

Credits

Musik: Auszüge der Barcarole von Jacques Offenbach aus der Oper Hoffmanns Erzählungen. Arrangiert, gespielt und aufgenommen von Jeremine

Intro und Eingangs- bzw. Ausgangszitat: Sandra Marx

Übersetzungen: Angefertigt von Nils Gampert

Titelbild: Titel-Logo des Chambers’s Journal, entnommen eine Nummer aus den 1880er Jahren

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2 Kommentare

  1. Diese Folge bot eine kurzweilige Stunde lehrhafter Unterhaltung! Den Exkurs zur Gespenstergeschichte fand ich besonders gelungen, aber auch die Begleitumstände betreffs „The Mystery of Sasassa Valley“ waren interessant. In dem Zusammenhang bin ich auf die hoffentlich zu erwartende Folge zu „J. Habakuk Jephson’s Statement“ gespannt.

    Zu „The Haunted Grange of Goresthorpe“: Doyle, wenn er so ein Fan von Bulwer-Lyttons „The Haunted and the Haunters“ war, hat sich den investigativen Aspekt möglicherweise hiervon abgeguckt. Auch in dieser berühmten Gespensterhaus-Story sind es ein Herr und ein Diener, die dem Spuk die Stirn bieten und durch kaltblütige Spürarbeit dem Mysterium des Hauses in der Oxford Street auf die Schliche kommen …

    Ansonsten: Falls ich es so verstanden habe, dass ACD zu „The Haunted Grange of Goresthorpe“ durch Henry James‘ Novelle „The Turn of the Screw“ beeinflusst gewesen sein könnte, so ist dies nicht möglich, da dieselbe erst 1898 erschien. Natürlich kann er sie späterhin gekannt haben, nur nicht schon in den 1870er-Jahren.

    • Dr. Doyle und Mr. Holmes

      Hallo Axel,

      besten Dank für deine lobenden Worte. Du darfst zu Recht gespannt sein; bis zum „Statement“ ist es nicht mehr allzu fern (ca. 1884).

      Deine These zu Bulwer-Lytton klingt zunächst stichhaltig, ich wüsste keine Einwände. Leider lässt sich bei Conan Doyle meist nicht gut herausfinden, wann genau er eine bestimmte Geschichte las oder sich mit einem literarischen Thema genauer beschäftigte. Und mit der James-Story hast du natürlich ganz Recht, die kommt hier gar nicht in Frage. Das ist in der etwas zu allgemeinen Darstellung an entsprechender Stelle leider durchgerutscht.

      Beste Grüße,
      Nils

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